„Respekt Coaches“ für Demokratie und Toleranz

17.01.2019 12:38

Grafschafter Diakonie-Mitarbeiterin Nilüfer Yildirim ist bei dem Projekt „Respekt Coaches“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Klassenzimmer im Einsatz.

Wer bin ich? Was habe ich von meinen Eltern gelernt? Was spielte ich als
 Kind gerne? Wie waren meine Freundschaften?
Statt des üblichen Unterrichts stehen für die 25 Schülerinnen und Schüler der Heinrich-Heine-Gesamtschule an diesem Vormittag ungewöhnliche Inhalte auf dem Programm.
Das Thema „Identität“
 ist für die nächsten 90 Minuten Unterrichtsgegenstand. Anstelle von
 Klassenlehrerin Aniela Kozlowski steht Hüsein Yüksel vor der Klasse. Der
 Coach für interkulturelle Jugend- und Familienarbeit hat die Schüler der 
8b nach dem Zufallsprinzip in kleinen Gruppen zusammengeführt.
Bei einem
 Würfelspiel sollen sich die 14-Jährigen gegenseitig persönliche Fragen
 stellen. Der Coach verteilt dafür einen Spielplan über die Tische. Das
 Ergebnis nach 20 Minuten Rede und Antwort hält so manche neue Entdeckung
parat.


Über einige der Fragen habe sie bislang niemals nachgedacht, gibt eine
 Schülerin zu. Eine andere kann von einer neuen Bekanntschaft berichten:
 „Mit dem einen Jungen aus meiner Gruppe habe ich zuvor kein Wort geredet.
 Es sei denn, wir haben uns gestritten“, sagt sie.
Offen sein, sich 
gegenseitig kennenlernen, wissen, wer man selbst und wer der andere ist. 
Darum geht es bei dem Projekt „Respekt Coaches“, das der 
Jugendmigrationsdienst der Grafschafter Diakonie, dem Diakonischen Werk im Kirchenkreis Moers seit Oktober 2018 an der Gesamtschule am Rheinhauser Flutweg anbietet. Die achte Klasse, die die 
Schule für das Pilotprojekt ausgewählt hat, besuchen neben deutschen Schülern
irakische Heranwachsende, solche mit türkischen, 
albanischen oder russischen Wurzeln. Der Anteil von Jugendlichen mit
  Migrationsgeschichte liegt in der Klasse bei 70 Prozent. Das
 Präventionsprogramm wird vom Bundesministerium finanziert und an bundesweit 49 
Schulen deutschlandweit umgesetzt. Es soll Schülerinnen und Schülern dabei helfen, sich 
vor einer späteren Radikalisierung und den Einflüssen von Extremismus zu schützen.


Nilüfer Yildirim, die dabei bis Ende 2019 zusammen mit Experten wie Hüsein
 Yüksel im Klassenzimmer Einsatz ist, beschreibt wie das Programm wirken
 soll: „Wir wollen den Schülern helfen, sich klarzumachen, dass es
 unterschiedliche Ansichten und Gepflogenheiten gibt, dass die Menschen 
verschieden sind, dass es neben schwarz und weiß immer auch viele
 verschiedene Graustufen gibt. Eine radikale Haltung ist immer im 
„Entweder-Oder“ verhaftet.
Diese Struktur wollen wir auflösen, noch bevor
 sich irgendetwas verfestigen oder manifestieren kann.“ Daher setzt das
 Angebot frühzeitig an. In der Pubertät, einer Lebensphase, in der die
 Jungen und Mädchen nach ihrer Persönlichkeit suchen, nach Vorbildern für
 den eigenen Platz in der Welt Ausschau halten.
Auf dem Unterrichtsplan der
 Achtklässler werden bis Ende 2019 entsprechende Themen stehen: Ein
 Konflikt- und Kommunikationstraining, Antirassismustraining und das Thema Geschlechtergerechtigkeit stehen für die Heranwachsenden an. Mit der
 Frage, was das politische System einer Demokratie ausmacht, was ein
 diktatorisches Regime charakterisiert, werden sie sich beschäftigen. In der 
neunten Klasse wird sich die Gruppe mit dem Thema Religion 
auseinandersetzen. Besuche einer Moschee, einer christlichen Kirche und 
einer Synagoge sollen den Blick für den jeweils anderen weiten.

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