16 Jahre mit Rucksack und VW Bus in Kamp-Lintfort unterwegs

07.03.2018 10:24

Rucksack und VW Bus sind auch für seine letzten Arbeitstage unverzichtbares Material. Mit ihnen ist Ulrich Wolf in Kamp-Lintfort unterwegs. In seinem beruflichen Alltag besucht er Familien, die mit schwierigen Lebensumständen kämpfen. Wenn Eltern und Kinder ihre Probleme nicht mehr alleine bewältigen können, ist es seine Aufgabe, zusammen mit ihnen Lösungswege zu suchen und umzusetzen. „Ambulante Erzieherische Hilfen“ heißt das, was der Mitarbeiter der Kamp-Lintforter Dienststelle der Grafschafter Diakonie tut. „Ich sage lieber: Ich arbeite als Familienhelfer“, sagt Wolf. „Das versteht jeder.“ In Kamp-Lintfort ist der 62-Jährige wohlbekannt. Ende März verabschiedet sich der gelernte Erzieher in den Ruhestand.

Schulprobleme, finanzielle Schwierigkeiten, seelische Krankheiten, drohende Wohnungslosigkeit, die Bürde, die eigenen Kinder alleine groß zu ziehen. Die Belastungen, die den Familien zusetzen sind vielfältig. „Meistens gibt es eine ganze Reihe von Baustellen“, sagt Wolf. Am Anfang steht für Ulrich Wolf die Fahrt zum wöchentlichen Stadtteilteam Altes Rathaus, bei dem Fachleute des Jugendamtes und der in Kamp-Lintfort tätigen Wohlfahrtsverbände an einem Tisch sitzen. Sie besprechen die anliegenden „Fälle“ und wer in welcher Familie eingesetzt wird.  Manchmal länger als ein Jahr begleiten Wolf und seine fünf Kolleginnen und Kollegen aus der Kamp-Lintforter Diakoniedienststelle die Familien. Gemeinsam mit dem Jugendamt erstellen die Pädagogen und die Familien einen so genannten Hilfeplan. Oft stehen zunächst Dinge im Vordergrund, die die pure Existenz sichern: Jobcenter-Leistungen beantragen, Mietrückstände aufholen, Winterjacken bei der Kleiderkammer beschaffen. Außerdem unterstützen die Fachkräfte z. B. beim Beantragen einer Tagesmutter, vermitteln Schulkindern Nachhilfe und organisieren Beratung für die Probleme der Erwachsenen. 

16 Jahre ist Wolf inzwischen schon mit VW-Bus und Rucksack in der Stadt unterwegs. Begonnen hat er sein Arbeitsleben im Jahr 1972. Nach dem damals obligatorischen Vorbereitungsjahr in einer „Frauenberuflichen Fachschule“ startete er seine Ausbildung zum Erzieher. 25 Jahre arbeitete er in einer Ganztagskindertagesstätte. Dieses Vierteljahrhundert hat ihn geprägt. „Ich bin mit Leib und Seele Horterzieher“, sagt er. „Daher ist es nur folgerichtig, dass ich danach und bis heute mit Schulkindern gearbeitet habe.“

Ein Interesse, das auch bei der Arbeit als „Familienhelfer“ der Diakonie Früchte getragen hat. Seit vielen Jahren organisiert der stille Mann mit den guten Ideen für Mädchen und Jungen, die er aus seiner Arbeit in den Familien kennt, zusätzlich Gruppenangebote. Es gibt eine Freizeitgruppe, die Ausflüge zu Zielen in der Nähe wie zur Eisbahn, auf den Oermter Berg, zum Bauernhof, in den Landschaftspark Nord und an den Rhein unternimmt. Eine Sportgruppe trifft sich jede Woche in der Turnhalle einer Grundschule, eine Hausaufgabengruppe ist gut besucht und im Herbst und im Frühjahr wird ein Ferienprogramm auf die Beine gestellt. „Viele der Kinder, die wir als Familienhelfer betreuen, haben sonst nicht die Möglichkeit einmal rauszukommen und etwas anderes zu sehen, sich bei den Hausaufgaben helfen zu lassen oder in den Sportverein einzutreten“, sagt der Erzieher. 

Dass Wolf mit seinem VW-Bus schon bald hauptsächlich in eigener Sache unterwegs sein wird, nimmt er trotz Abschiedswehmut mit Humor. „Wir sind ein familienorientiertes Dienstleistungsunternehmen“, scherzt er mit seiner Frau schon jahrzehntelang. So wird es auch im Ruhestand turbulent für den Pädagogen. „Bei vier Kindern und fünf Enkelkindern hat immer jemand Unterstützung nötig oder zieht um, ein oder aus“, lächelt Wolf.

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