Moers: Johann Heinrich Wittfeld Wohnverbund

Historie

Mit diesem Namen ehrt die Grafschafter Diakonie eine wichtige Persönlichkeit in der Moerser Stadt- und Sozialgeschichte. Vor allem aber einen fortschrittlichen Geist, der als Arzt eine fast revolutionär zu nennende Einrichtung im 19. Jahrhundert gründete.
Johann-Heinrich-Wittfeld (1799 – 1853) wandte sich gegen den damaligen Zeitgeist, denn er war schon früh der Ansicht, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen in kleinen Einrichtungen bessere Chancen auf einen Heilerfolg haben dürften. Auch die Beschäftigungstherapie gehörte zu den wesentlichen Grundsätzen seiner Behandlung.

In seiner Bewerbung schrieb Wittfeld im Jahr 1842: „Durchgehend wird festgehalten, dass Arbeit den meisten Kranken höchst nötig und wohltätig ist. Das in sich gekehrte Hinbrüten des Kranken ist demselben schädlich und muss so viel wie möglich vermieden werden."

Unter dieser Prämisse eröffnete Dr. J.H. Wittfeld im März 1843 in Moers die erste „Privat-Anstalt für Gemüthskranke" der gesamten Rheinprovinz. Zuvor hatte er nach einem Medizinstudium in Bonn 14 Jahre in Moers als Arzt, Wundarzt und Geburtshelfer praktiziert ohne jemals sein Spezialgebiet aus den Augen zu verlieren.

In der für damalige Verhältnisse neuartigen Klinik lebten die Patienten unter hervorragenden Bedingungen, waren in Einzelzimmern untergebracht und jedem von ihnen stand ein Betreuer zur Seite. Die Mahlzeiten nahmen sie mit der Familie Wittfeld ein, Gartenarbeit, Sport, Spaziergänge und Ausflüge dienten ihrer Zerstreuung und Beschäftigung.

Johann Heinrich Wittfeld hatte wesentlichen Einfluss auf das Krankenhauswesen der Stadt Moers. Nicht zuletzt aufgrund seiner Initiative wurde anlässlich der Jubelfeiern zur 150jährigen Zugehörigkeit der Grafschaft zu Preußen das Krankenhaus Bethanien gegründet.

Bis heute ungeklärt ist sein plötzlicher Tod am 6. November 1853 auf dem Höhepunkt seines medizinischen Schaffens. Erbstreitigkeiten führten 1859 schließlich zur Auflösung der Klinik und die Leistungen Wittfelds gerieten zunehmend in Vergessenheit. Heute erinnert das so genannte „Weiße Haus" am Eingang zum Schlosspark an die einstmals umfassende Anlage. Es wurde nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg als Rest der Wittfeldschen Anstalten wieder hergerichtet und steht heute unter Denkmalschutz.

Die Grafschafter Diakonie hat 150 Jahre nach der Eröffnung des Wittfeldschen Krankenhauses an diese Tradition angeknüpft, als sie ihrem neu errichteten Wohnheim im zweiten Betriebsjahr 1994 diesen Namen gab.